Eindrücke aus Indonesien

Puh, ist euch auch so heiss? Ich glaube, ich werde gleich ein schoenes, kaltes eis essen. hier in der tropenhitze schmeckt eis noch viel besser als in berlin (naja, von dem weiter unten erwaehnten durian-eis mal abgesehen). was gibt es schoeneres, als mit einem leckeren eis in der hand die strasse entlangzuflanieren, vielleicht einem niedlichen balinesischen kind wohlwollend zuzunicken, dass winkt und lacht und „hallo mister“ ruft und fuer einen moment die schaufel oder das sandsieb in seinen haenden vergisst … aber ich werde schon wieder zynisch umd das wollte ich mir ja eigentlich abgewoehnen!

Kinder gibt es hier uebrigens in huelle und fuelle. kinder und kokosnuesse. die kinder fetzen mehr als die kokosnuesse. sie sind niedlicher und koennen einem nicht auf den kopf fallen. meistens gehen sie einem nicht mal auf die nerven. man wird glatt zum kinderfan hier. vor 10 tagen in padangbai hat uns eine nette frau ihre kinder angeboten, die groesseren fuer 2, das ganz kleine fuer einen dollar, aber souvenirs will ich erst unmittelbar vor der rueckreise kaufen, damit ich sie nicht die ganze zeit mit mir rumschleppen muss.

Die indonesische grammatik ist leicht zu lernen. sie existiert praktisch nicht. zum beispiel die pluralbildung: statt „1 auto“ sagen die indonesier „1 auto“, bloss dass sie eben nicht „auto“ sagen, sondern irgendein komisches indonesisches wort mit dieser bedeutung, das ich aber gerade nicht kenne. statt „2 autos“ sagen sie einfach: „2 auto“ und statt der unbestimmten mehrzahl sagen sie „auto-auto“.
Aber vorsicht! hati-hati! manchmal bedeuten solche verdoppelungen aber etwas voellig anderes. „hati“ zum beispiel heisst „leber“. sieht man nun aber ein schild mit der aufschrift „hati-hati“, so bedeutet das nicht, dass man einen organfachhandel gefunden hat, sondern, dass man im naechsten augenblick in ein metertiefes schlagloch faellt, weil „hati-hati“ „Vorsicht“ heisst. mehrmals am tag danke ich dem himmel, dass ich kein unwissender organhaendler bin, der auf der suche nach frischen und preisguenstigen drittweltlebern auf den maroden indonesischen strassen andauernden enttaeuschungen und demuetigungen ausgesetzt ist!

Wofuer ich dem himmel desweiteren danken moechte, ist unsere komplizierte deutsche grammatik. erstens kann man im ausland prima mit ihr angeben und zweitens, wie wuerde das denn klingen, wenn ich mit indonesischer grammatik weiterschruebe?! so naehmlich:

Spass viel abend dieser in LSD in Zosch wuenschen Spider und Volker. Hoffentlich Kollege-Kollege wir lesen Geschichte-Geschichte schoen fuer ihr und singen Liedschluss gut. Gruss-Gruss viel aus Kuta, Bali, Ort welcher noch mehr viel schlimm als sowieso erwarten.

Also nee, ich weiss nicht …

Man kann die menschen ja grob in 2 gruppen einteilen. ich gehoere nicht zu jener gruppe, die gerne ueber ihren stuhlgang redet. zum glueck interessieren euch meine amateur-ethnologischen berichte ueber tempelfeste, regionales brauchtum, ueber taenze und zeremonien, land und leute viel mehr, als meine erlebnisse auf einheimischen toiletten.
allerdings, um ehrlich zu sein, wuerde ich im moment bedenkenlos jahrtausende indonesischer kultur gegen einmal festen stuhlgang eintauschen.

apropos kultur, tempelkrempel und ulkige braeuche: eigentlich wolte ich schon laengst von entlegenen gebieten berichten, in denen nicht touristen schrumpfkoepfe, sondern touristen als schrumpfkoepfe verkauft werden, aber ich schaffe es wohl doch nicht mehr, von bali wegzukommen, obwohl es hier nur sarongs, holzschnitzereien und rolex-imitate zu kaufen gibt und man hoechstens von laengst erforschten tieren oder krankheiten aufgegessen wird, niemals jedoch von bislang unentdeckten. aber wenn doch davon mal abgesehen hier so schoen ist?!
Mir ist uebrigens aufgefallen, dass je schoener ein ort, ein strand beispielsweise, ist, sich die haesslichkeit der touristen desto eindrucksvoller entfalten kann.

Spider ist gut angekommen, sein erster sonnenbrand klingt langsam ab. ueberall wo er auftaucht, gibt es ein grosses hallo, wegen seiner frisur: Ah! Panka!

Jedesmal wenn man hier aus einem bus steigt, reibt man sich verwundert die augen, beruehrt unglaeubig die verschiedenen, an ihrem angestammten platze sich befindenden koerperteile und braucht ein paar minuten, um zu akzeptieren, dass man auch diese fahrt ueberlebt hat. eigentlich unglaublich, dass wir, obwohl wir bereits gut 1500 kilometer auf strassen zurueckgelegt haben, erst ein qualmendes wrack im strassengraben sahen. nach meinen berechnungen muesste sich das indonesische volk alle 19 tage mittels verkehrsunfaellen komplett ausrotten. so wie die hier fahren … das traue ich mich nicht mal in einem computerspiel. vorgestern nacht ist mir das erste mal im leben schlecht geworden bei einer busfahrt. haette nie gedacht, dass ein bus in steilen kurven eine derartige schraeglage erreichen kann.

Wir sind jetzt auf bali, in lovina und es ist sehr schoen hier. kaum touristen wegen der regenzeit und der schlechten presse, die indonesien in letzter zeit hatte. einheimische touristen gibt es hier auch nicht, ganz im gegensatz zu pandangaran auf java. dort haette ich von den indonesischen urlaubern geld dafuer nehmen koennen, dass sie sich gegenseitig mit mir fotografieren. vor allem bei den winzigen, dunkelhaetigen frauen war ich langes kalkstaebchen als fotomodell sehr begehrt. ab und zu habe ich denen dann auch meinen fotoapparat in die haende gedrueckt und selber ein foto machen lassen. in deutschland darf die bilder niemand sehen, weil ich darauf wie ein paedophiler wirken muss.

Vorhin habe ich mir den ewigen respekt meiner mitreisenden verdient. und das kam so: ich habe ein durian-eis von walls aufgegegssen (langnese heisst hier walls). durian riecht wie eine ganz normale, leckere tropische frucht, die man vor 3 wochen in einem plastebeute in der sauna vergessen hat. deshalb heisst sie auch stinkfrucht. das ist die balinesische realitaet jenseits der popstkartenidyllen: eistueten, die nach dem oeffnen den duft einer lange nich geleerten biotonne verstroemen. wundert mich garnicht, dass langnese diese sorte in deutschland niht einfuehrt. immerhin jedoch koennte man sich im berufsverkehr damit viel platz in der u-bahn verschaffen

Das wird ne schlaflose nacht! komme gerade zurueck von einem sonnenuntergangsspaziergang durch die reisfelder – ohne autan …

Ich komme gerade aus den Schoenhauser Allee-Arcaden von Yogyakarta. Das Einkaufszentrum entspricht westeuropaeischen Standards, auch was das Zurschaustellen von gelangweilten, schlechtgelaunten Fressen angeht.
Apropos Fressen: Ich will mich wirklich nicht beschweren ueber Indonesien, noe, ganz bestimt nicht! Das hamse schoen hingekriegt hier, vor allem die Natur, die ganzen Berge, Meere, Sonnenuntergaenge, bunten Fische – wunderbar, grosses Lob, kannste nich meckern! Nur kochen koennen sie leider nicht so gut. Am beste schmeckt frisches Obst und Sachen, die sie den Chinesen abgeguckt haben. Ich ernaehre mich zu einem nicht unbedeutenden Teil von Keksen und Waffeln. Fuer Liebhaber solcherart Gebaecks ist Indonesien allemal eine Reise wert! Sie koennen allerdings auch einfach nach Polen oder in die Tschechei fahren.

Uebermorgen gehts endlich wieder raus aus der grossen Stadt, auf nach Bali, endlich wieder baden, schnorcheln, Sonnenbrand …

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