Tach alle zusammen. Gruesse aus Indonesien

Bin nun schon seit einer Woche wieder hier, hatte aber keine Zeit für die Website. Spider hat sich noch immer nicht gemeldet, so dass mein Scherz, die Kopfgeldjäger würden sich für seinen Iro sicher brennend interessieren, wohl unerwünscht prophetisch war. Erste Anzeichen dafür, wie Spiders Kopf Einheimischen den Kopf verdreht, gab es ja schon früher.
Im Übrigen bin ich es langsam leid, ständig gefragt zu werden, wie wir armen Poeten uns so lange Urläube in der fernsten Ferne überhaupt leisten köennen!.

Bis heute abend, ich hab gerade ein neues Lied geschrieben und wer weiß, welche wundersamen Geschichten Micha, Uli, Gunar,Tube und unser heutiger Gast Thilo Bock ihren widerspenstigen, am Ende aber doch umsonst sich wehrenden Gehirnen abgetrotzt haben!

Hallo, hier kommen meine letzten Gruesse aus Indonesien, leider etwas verspaetet; ich haette sie gerne schon am Dienstag geschickt, aber es hat mich doch noch auf Inseln verschlagen, auf denen es kein Internetcafe gibt.
Jetzt ist es Zeit nach Berlin zurueckzukehren, auch wenn es hier noch viel zu entdecken und erleben gaebe. Noch weissere Straende, noch hoehere Vulkane, buntere Fische, ulkigeres Gemuese, noch spektakulaerere Sonnenuntergaenge, Magic Mushrooms, die zur Abwechslung mal richtig wirken … aber das hebe ich mir alles fuer das naechste Mal auf. Zudem wurde mir berichtet, dass die Kollegen unser Schlusslied auf Groebste misshandeln und verstuemmeln. Wenn mann sich nicht um alles selber kuemmert! 

Die Indonesier sind sehr freundliche, kommunikative Menschen. Oft hasse ich sie deshalb.
Gestern sass ich 4 Stunden auf dem harten Deck einer bloeden Faehre neben einem besonders gespraechigen Quaelgeist. Nachdem er herausgefunden hatte, dass ich aus Deutschland komme, erklaerte er mir bis ueber beide Ohren strahlend, er habe in der Schule ein Jahr lang Deutsch gelernt und begann, mir seinen gesamten maroden und offensichtlich voellig sinnlos zusammengewuerfelten deutschen Wortschatz vorzubeten.
„‚Ack so!'“, sagte er, „You know ‚Ack so‘? It’s german!“
„Yes, I know.“
„‚Ick libbe dick‘. You know ‚Ick libbe dick‘? It’s german language.“
„Yes, I know“
„In english: ‚I love you‘. In indonesia: ‚Aku cinta padamu‘.“
„Yes.“
„In german: ‚Ick libbe dick‘!“
„Hmm.“
„‚L-I-E-B-E: Libbe. Ick libbe dick‘.“
„I know german very well. Thank you.“
„‚Happlicken Glupunsch ssumm Busstach‘. You know ‚Happlicken Glupunsch ssumm Busstach‘? It’s german. In english it’s: ‚happy birthday‘. In indonesia …“
Ich ueberlegte, ob er vielleicht sein Deutsch ueberpruefen wolle und auf Korrekturen meinerseits hoffe.
„‚Herzlichen Glueckwunsch'“, sagte ich.
„Yes. ‚Happlicken Glupunsch.‘ In english …“
„No. Not ‚Happlicken‘! ‚Herz-li-chen‘!“
„Yes. ‚Happlicken‘. In indonesia …“
Irgendwann sagte ich „Mau tidur. Saya lelah sekali.“ – ich sei sehr muede und wolle schlafen.
„Yes.“, entgegnete er. „‚Lelah‘. In german its:’mutte‘. In english ‚tired‘. L-E-L-A-H. Lelah. Mutte. Tired. ‚Bussaltesstelle‘. You know ‚Bussaltesstelle‘? It’s german. In english ‚bus stop‘ …“
Irgendwann schloss ich die Augen, nach ein paar Minuten versiegte das Geplapper und auf dem harten Boden inmitten von Maschinengebrumm und Karaokegejaule nahm mich ein leichter Schlaf in seine ausgemergelten, zittrigen Arme. Als ich nach 1 Stunde wieder erwachte, ging es ohne jede Einleitung wieder los: ‚Tagesapplaup‘. You know ‚Tagesaplaup‘? Its german. In englisch it’s …“

Naja. Spaetestens, wenn ich in Berlin das erste Mal wieder U-Bahn fahre und all die trueben und verkniffenen Hackfressen sehe, werden mir die komischen Leute hier doch ganz schoen fehlen.

Viele Gruesse auch von Spider, obwohl der nix von sich hoeren laesst und vielleicht schon laengst als Schrumpfkopf irgend ein Eingeborenendorf in Sulawesi schmueckt. Mit seinem Irokesenschnitt ist er sicher sehr begehrt.

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